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Geschichte des Kleingartenwesens

Die Geschichte der Kleingärten beginnt schon im frühen 19. Jahrhundert. England ist das Land, in dem zum ersten Mal derartige Gärten geschaffen wurden. Im Jahre 1819 erließ die englische Regierung ein Gesetz, dass die Verpachtung von Land an Erwerbslose und Ortsarme regelt.

Die genaue Umgrenzung des Personenkreises - nur Erwerbslose und Ortsarme - zeigt die Absicht des Gesetzgebers, den Bedürftigen in ihrer wirtschaftlichen Notlage zu helfen. Etwas später, 1830 findet man den gleichen Gedanken in den Städten Kiel und Flensburg, die damals noch unter dänischer Herrschaft standen. Von hier aus verbreitete sich die Idee dann über Leipzig, Berlin nach Frankfurt am Main und weiter.

Die wachsende Industrialisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ große Teile der Bevölkerung aufgrund von Arbeitslosigkeit vollständig verarmen. Hinzu kam eine hohe Sterblichkeitsrate und Krankheitsanfälligkeit der Betroffenen, ausgelöst durch Hunger und schlechte Lebensbedingungen. Damals war die Zeit geprägt von Kinderarbeit, 14 Stunden Arbeitstag und Nahrungsmittelknappheit. Um einen Ausgleich für die schwere Fabrikarbeit zu schaffen, wurde billig Gartenland an Arbeiter vermietet. Treffend nannte man diese Gärten dann auch Armen- und Sozialgärten. Zur Linderung der Not wurden z.B. 1830 in Kiel und 1832 in Leipzig die ersten Armengärten errichtet.

Dr. SCHREBER
Weit verbreitet ist die Meinung, Dr. Schreber sei der Gründer der ersten Kleingärten. Das aber ist ein Irrtum. Der Anthropologe und Arzt Dr. Daniel Gottlieb Moritz Schreber (1808-1861) wollte zu Beginn der Industrialisierung die körperlich schlechter entwickelte Arbeiterjugend durch Spiel und Sport fördern und gründete 1845 den ersten Leipziger Turnverein zur allgemeinen Jugenderziehung und Jugendpflege. Im Rahmen naturverbundener Erziehung wurden auch erste Beete angelegt, die von Kindern unterhalten werden sollten. Doch leider misslang der Versuch und die Gärten verwahrlosten. Eltern übernahmen später die Pflege der Beete, zäunten sie ein, errichteten kleine Holzbauten für Gartengeräte und Schlechtwetter und nannten sie Schrebergärten. Daraus entwickelte sich in Sachsen und in einigen Provinzen Preußens die sog. "Schrebergartenbewegung" (Näheres dazu können Sie auf der Seite: "www.deutsche-schreberjugend.de" unter der Rubrik Selbstdarstellung und dann Verbandsgeschichte lesen.)

DER ERSTE WELTKRIEG
Im Ersten Weltkrieg wurden angesichts des extremen Nahrungsmittelmangels ungenutzte Brachflächen beschlagnahmt damit dort unter staatlicher Kontrolle zusätzliches Obst und Gemüse angebaut werden konnte. Nach dem Krieg wurden die Flächen den Vereinen übereignet. Von Beginn der Weimarer Republik an suchten die Vereine die Nähe des Staates, von dem sie sich als Dank für politische Botmäßigkeit den Schutz vor Privatisierung oder Bebauung der vorstädtischen Idyllen versprachen.

DIE NATIONALSOZIALISTEN
Die Haltung der Nationalsozialisten zu den Kleingärtnern war widersprüchlich: Sie schwankten zwischen Duldung und Instrumentalisierung für die Zwecke des Reiches. Eine der ersten Maßnahmen war die Gleichschaltung des Verbandes der Kleingärtner, die Vertreibung von Kommunisten, Sozialdemokraten und Juden aus Vorständen und Gärten und die ideologische Formierung unter der Losung „Gemeinnutz vor Eigenwohl“, womit die nahezu widerspruchslos hingenommene Vertreibung der Kleingärtner von Bauland für Militär- und Wirtschaftseinrichtungen und für den Wohnungsbau vorbereitet wurde. Gleichzeitig wollte sich Deutschland für einen künftigen Krieg rüsten und hinsichtlich der Versorgung der Bevölkerung unabhängig machen und gewährte deshalb den Kleingärtnern einen gewissen Schutz. Die Kleingärtner bekamen Fachberater zur Seite und wurden zu einer ständigen Leistungssteigerung aufgerufen, was jedoch kaum durchführbar war, weil die meisten Männer an der Front kämpften und nur Frauen und Kinder die Gärten bearbeiteten. Viele Stadtbewohner flüchteten vor den ständigen Bombenangriffen in ihre Parzellen.

DIE NACHKRIEGSZEIT
Der Hunger und das Fehlen von Unterkünften bescherte dem Kleingarten in der Nachkriegszeit eine neue Blüte, wobei das Misstrauen der Militärverwaltungen gegen deutsche Eigenorganisationen lange anhielt und auch der Mangel an Saatgut und Dünger deutliche Grenzen setzte. In den übriggebliebenen Gärten hausten neben Großfamilien, die ihr Hab und Gut verloren hatten, auch zahlreiche Flüchtlinge.

Durch das "Wirtschaftswunder" nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten auch die Kleingärtner einen gewaltigen Aufschwung. Es wurden nicht mehr nur Nutzpflanzen angebaut - während des Krieges nahm der Kartoffel- und Gemüseanbau bis zu 90% der Gartenfläche in Anspruch - jetzt blühten wieder viele Blumen und Sträucher.

KKLEINGÄRTEN IN DER DDR
Das Kleingartenwesen hatte in der DDR eine wechselvolle Entwicklung. Nachdem die Nachkriegsengpässe in der Versorgung fürs Erste überwunden schienen und sich die Politik in den 50er Jahren dem schnellen Aufschwungsgedanken hingab, war es unter Ulbrichts Führung eher geduldet als gefördert. Mir der Gründung des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) 1959 sollte die politische Formierung der Kleingärtner vorangetrieben werden. Sie galten als kleinbürgerliche Überbleibsel, derer man sich früher oder später entledigen würde.

Staats- und Parteichef Erich Honecker entdeckte die Kleingärten und ihre stabilisierende Funktion relativ spät. Seit der zweiten Hälfte der 70er Jahre bekamen die Kleingärtner und ihre Organisation gesellschaftliche Anerkennung, Räumungen, wie sie in den Aufbaujahren bis 1970 selbstverständlich und durch das Aufbaugesetz gedeckt waren, fanden nicht mehr statt, stattdessen wurden neue Anlagen geschaffen und die Kleingärtner (wie die Garagenbesitzer) standen unter dem Patronat von Partei und Regierung. Die Kleingärtner vergalten es mit Wettbewerbsverpflichtungen und höheren Erträgen.

KLEINGÄRTEN HEUTE
Heute hat sich das Bild der Kleingärten gründlich geändert. Die Schrebergärten von damals gibt es nicht mehr. Heute sind Menschen aller Einkommensschichten Pächter der begehrten Parzellen und die kleinen Gärten stehen hoch im Kurs wie nie, denn Gartenarbeit ist ein idealer Ausgleich für den stressgeplagten Menschen der heutigen Zeit. Mit wachsendem Wohlstand und zunehmender Freizeit machte der Kleingarten eine Wandlung vom Wirtschafts- zum Erholungsgarten durch, wobei auch noch heute Obst- und Gemüseanbau vorgeschrieben sind.

Eine besondere Bedeutung haben Kleingärten vor allem für Kinder. Sie finden hier einen ungefährlichen Spielplatz und lernen die Natur kennen. Aber nicht nur für die Kleingärtner, sondern für alle Stadtbewohner sind die Kleingartenanlagen wichtiger denn je. Speziell in den Ballungsgebieten erfüllt die dichte Bepflanzung der Kleingärten wichtige Aufgaben. Die Gärten erzeugen eine Menge an Sauerstoff, was angesichts der sterbenden Wälder von Jahr zu Jahr immer dringender wird. Man bedenke nur, dass eine Kleingartenanlage mit 80 Gärten (etwa 25.000 qm), innerhalb von 12 Stunden ca. zwei Tonnen Kohlendioxid aus der Luft filtert und gleichzeitig 1,8 Tonnen Sauerstoff erzeugt.
Ökologisch bieten Kleingartenanlagen mit ihren Hecken und unterschiedlichen Pflanzungen sowie Biotopen Lebensraum für zahlreiche Tier- und zum Teil seltene Pflanzenarten. Kleingärtner kennen den Kreislauf der Natur und kümmern sich um Nachhaltigkeit. Sie bekämpfen Schädlinge durch Ansiedlung von natürlichen Feinden, sammeln Regenwasser und legen Komposthaufen an. Sie pflegen, ernähren und vermehren kostbaren Mutterboden.